Max Lexandrowitsch wurde als Sohn eines Privatlehrers unter dem Namen Morduch Lexandrowitsch im russischen Ostrow geboren. Nach dem Besuch einer Chorschule und einer Gesangsausbildung am Berliner Klindworth-Scharwenka-Konservatorium war er bis zu seiner Festanstellung an der Berliner Staatsoper in verschiedenen Opernchören tätig: Bis 1918 sang er in der Komischen Oper und im Wintergarten, nach dem Ersten Weltkrieg im Thalia-Theater, im Neuen Operettentheater sowie in der Volksoper. 1914, 1924 und 1925 war er Mitglied des Bayreuther Festspielchores. Seit dem 1. September 1923 gehörte er zum Chor der Staatsoper Unter den Linden und sang dort im ersten Bass. Neben seiner Chortätigkeit wurde er immer wieder auch in kleineren Rollen als Solist eingesetzt.
Zunächst russischer Staatsangehöriger, erhielt er im Sommer 1932 die Einbürgerung als Deutscher. Im Frühjahr 1933 tauchte sein Name auf der Judenliste der Nazi-Zelle der Staatsoper auf, im Juni wurde er aufgrund des Berufsbeamtengesetzes entlassen. Seine Versuche, an den Opernhäusern in Prag, Zürich und Stockholm eine Anstellung zu finden, scheiterten, trotz der Empfehlungen von Erich Kleiber und Leo Blech. In seiner Not schrieb er im Juni 1933 ein verzweifeltes Gesuch an den Generalintendanten Tietjen: „Ich kann es nicht glauben, dass nur eines Rassenunterschiedes wegen, an dem ich selbst unschuldig bin, ich gehindert werden soll, dieser Kunst weiter zu dienen. Nicht allein zur Untätigkeit wäre ich verdammt, sondern der Sinn meines Lebens wäre mir genommen.“ Eine Antwort der Intendanz liegt nicht vor, nur Zeugnisse Tietjens und Furtwänglers wurden in Aussicht gestellt. Im September 1933 wandte er sich erneut – diesmal zusammen mit seinen Kollegen Josef Brotmann und Georg Katz – an die Intendanz, weil die ihnen zugesagten Pensionszahlungen nicht erfolgt waren. Eine Antwort ist nicht überliefert.
Wie viele vertriebene und weniger prominente Musiker engagierte sich auch Max Lexandrowitsch im Jüdischen Kulturbund in Berlin, bevor er eine der letzten Möglichkeiten nutze, um aus Deutschland zu fliehen: Von Rotterdam aus reiste er im Juli 1939 an Bord der „Statendam“, ein Passagierschiff der niederländischen „Holland-America Line“, nach New York, wo er am 1. August 1939 – vier Wochen vor Beginn des Zweiten Weltkriegs – eintraf. Wenige Tage später, am 7. August 1939, heiratete er dort die aus Stuttgart stammende Margarethe Baruch, mit der er fortan in der Seaman Avenue im nördlichen Manhattan lebte, einem zu dieser Zeit von jüdischen Einwohnern dominierten Stadtteil. Im November 1944 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Seinen Lebensunterhalt verdiente Max Lexandrowitsch in den folgenden Jahren als Mitglied der San Carol Opera Company, einer reisenden Opern-Kompagnie, die bis in die 1950er Jahre hinein in zahlreichen Orten der USA und Kanadas auftrat. Am 25. November 1956 ist Max Lexandrowitsch in New York gestorben.
1890 Ostrow
1956 New York